Hintergrund

Ein Problembewusstsein für Antisemitismus und Homophobie ist bei den meisten Menschen in Deutschland vorhanden. Ein Problembewusstsein für Muslimfeindlichkeit ist allerdings eher noch die Ausnahme. Von vielen Menschen werden muslimfeindliche Einstellungen und Äußerungen als legitim, begründet und mehrheitsfähig betrachtet. Dennoch und gerade aufgrund eines solchen Selbstverständnisses ist Muslimfeindlichkeit eine ernstzunehmende Problemstellung unserer Gesellschaft.

Vorurteile, Vorbehalte und Benachteiligung von und gegenüber Muslimen lassen sich u.a. an folgenden Aspekten ablesen:

Gewalt gegenüber Muslimen und Angriffe auf Moscheen

Es gibt eine hohe Anzahl von Brandanschlägen und sonstigen Anschlägen auf Moscheen und verbale und körperliche Übergriffe auf Muslime in Deutschland. 297 Moscheen in Deutschland gaben gegenüber der türkischsprachigen Zeitung Sabah an, bereits Opfer von Anschlägen geworden zu sein. In Berlin fiel beispielsweise am 12. August 2014 große Teile der Mevlana Moschee in Kreuzberg einem Anschlag zum Opfer. Auf Berlins wohl bekannteste Moschee, die Sehitlik-Moschee am Columbia-Damm in Neukölln, wurden in den letzten Jahren alleine vier Brandanschläge ausgeführt.

Einstellungen unter der deutschen Mehrheitsbevölkerung gegenüber Muslimen

Der Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung vom November 2014 hat ergeben, dass 57 Prozent der Deutschen den Islam als Bedrohung wahrnehmen. Dabei spielen insbesondere das Alter und persönliche Kontakte eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung von Muslimen – mit steigendem Alter und in Gegenden, wo kaum Muslime leben, ist die Skepsis am größten. Davon zeugen auch die Pegida-Demonstrationen und ihre Ableger. Sogar in Berlin, wo es mit ca. 10 Prozent einen vergleichsweise hohen Anteil an Muslimen gibt, geben 69 Prozent der Bevölkerung an, wenig über Muslime zu wissen. 30 Prozent haben typische stereotype Vorstellungen von Muslimen und halten diese für bildungsfern und gewaltbereit, wie die Studie „Berlin postmigrantisch“ vom Oktober 2015 belegt.

Rolle der Medien

Da Muslimfeindlichkeit vor allem dort gedeiht, wo keine persönlichen Bekanntschaften mit Muslimen bestehen, kommt den Medien eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung eine von Informationen über den Islam und Muslime zu. Eine ablehnende Haltung gegenüber Muslimen entsteht häufig durch die unkritische Übernahme eines medial gezeichneten Islambildes, in dem Muslime häufig als Bedrohung dargestellt werden. Dabei wird mitunter pauschalisiert „der Islam“ mit Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus, Gewalt bzw. mangelnder Abgrenzung von Gewalt gleichgesetzt und „die Muslime“ oder „der Islam“ nicht differenziert von islamistischem Terrorismus oder kulturellen patriarchalen Traditionen. Die Aspekte der Barmherzigkeit, des sozialen Engagements und der Vermittlung von Werten wie Toleranz und einem respektvollen Miteinander der Religionen werden dabei häufig nicht wahrgenommen.