Warum es meet2respect gibt

Begegnung als Antwort auf Hass und Ausgrenzung

Ein prägendes Ereignis für die Entstehung von meet2respect war der Überfall auf den Berliner Rabbiner Daniel Alter im August 2012. Auf dem Nachhauseweg mit seiner damals siebenjährigen Tochter wurde er von Jugendlichen mit der Frage „Bist du Jude?“ angesprochen. Nachdem er dies bejaht hatte, wurde er vor den Augen seiner Tochter so schwer zusammengeschlagen, dass er ins Krankenhaus musste.

Der Angriff machte auf erschreckende Weise deutlich, wie sich Antisemitismus im Alltag äußert und welche Folgen er für die Betroffenen und ihre Familien hat. Für Daniel Alter und den Imam Ferid Heider wurde daraus ein gemeinsamer Handlungsauftrag: Sie wollten zeigen, dass Juden und Muslime einander nicht als Gegner begegnen müssen, sondern gemeinsam für Respekt, Menschenwürde und ein friedliches Zusammenleben eintreten können.

Im gesellschaftsorientierten Führungskräfteprogramm des gemeinnützigen Vereins Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung lernten sich Rabbiner Daniel Alter, damals Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und Imam Ferid Heider kennen. Aus dieser Begegnung entstand die Idee, regelmäßige gemeinsame Schulbesuche von Imamen und Rabbinern zu organisieren. Die Initiative meet2respect wurde unter dem Dach von Leadership Berlin ins Leben gerufen.

Antisemitismus bleibt eine gesellschaftliche Herausforderung

Antisemitismus zeigt sich in unterschiedlichen Formen: in offenen Beleidigungen und Bedrohungen, in Verschwörungserzählungen, in der Relativierung oder Leugnung des Holocaust und in der Abwertung jüdischer Menschen aufgrund ihrer Religion oder ihrer vermeintlichen Zugehörigkeit. Auch der Nahostkonflikt wird immer wieder zum Anlass genommen, Jüdinnen und Juden in Deutschland kollektiv für die Politik Israels verantwortlich zu machen.

Die gesellschaftliche Lage hat sich insbesondere seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg in Gaza weiter verschärft. Jüdische Menschen erleben verstärkt Anfeindungen und Bedrohungen. Antisemitische Äußerungen und Handlungen beeinträchtigen ihre Sicherheit und ihre Möglichkeiten, jüdisches Leben öffentlich sichtbar zu leben.

Wie deutlich sich diese Entwicklung fortsetzt, zeigen die Zahlen des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS): Für das Jahr 2025 wurden bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle dokumentiert – durchschnittlich rund 24 pro Tag. Damit blieb die Zahl auf dem sehr hohen Niveau des Vorjahres und lag mehr als dreimal so hoch wie 2022. Die Dokumentation umfasst neben körperlichen Angriffen und Bedrohungen auch Beleidigungen, Sachbeschädigungen und andere antisemitische Vorfälle, die nicht zwingend Straftaten darstellen.

Auch in Berlin bleibt die Situation angespannt. RIAS Berlin dokumentierte für 2025 insgesamt 2.197 antisemitische Vorfälle. Die Zahlen machen deutlich, wie wichtig es ist, Antisemitismus nicht nur nach konkreten Übergriffen zu thematisieren, sondern auch alltägliche Vorurteile, Abwertungen und gesellschaftliche Ausgrenzung frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Quelle: RIAS – Jahresberichte zu antisemitischen Vorfällen

Antimuslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit

Gleichzeitig erleben Musliminnen und Muslime sowie Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden, Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung und Gewalt. Antimuslimischer Rassismus begegnet ihnen beispielsweise im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, bei der Arbeits- und Wohnungssuche sowie im Kontakt mit Behörden. Pauschale Zuschreibungen, die den Islam als Bedrohung darstellen oder Musliminnen und Muslime kollektiv für politische und gesellschaftliche Konflikte verantwortlich machen, tragen zur Ausgrenzung bei.

Auch hier zeigen aktuelle Zahlen das Ausmaß des Problems: Nach dem bundesweiten zivilgesellschaftlichen Lagebild von CLAIM wurden 2025 in Deutschland 4.096 antimuslimische Vorfälle dokumentiert. Das entspricht durchschnittlich mehr als elf Vorfällen pro Tag. Erfasst wurden unter anderem Diskriminierungen, Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da viele Betroffene Vorfälle nicht melden oder anzeigen.

Für Berlin dokumentierte CLAIM im Jahr 2025 insgesamt 975 antimuslimische Vorfälle, nach 644 im Vorjahr. Das entspricht durchschnittlich nahezu drei dokumentierten Vorfällen täglich.

Quelle: [CLAIM – Lagebilder und aktuelle Zahlen zu antimuslimischem Rassismus](https://www.claim-organisation.de/aktuelles/news/bundesweites-lagebild-antimuslimischer-rassismus-2025-veroeffe