Zur Abschlusskundgebung auf dem Bebelplatz:

Die Radler*innen trafen unter fröhlichem Klingeln nach der Tour quer durch die Stadt auf dem Bebelplatz, dem Ort der Büchervebrennung 1933, ein. Dort wurden sie mit Getränken und einem Imbiss in Empfang genommen.

  • Musikalisches Rahmenprogramm: Der Begegnungschor,
    in dem Berliner*innen gemeinsam mit Geflüchteten singen, mit Liedern auf Deutsch, Hebräisch und Arabisch
  • Moderation: Winfriede Schreiber,
    ehrenamtliche Leiterin des Koordinierungskreises von meet2respect und ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes

Es gab die Möglichkeit zum persönlichen Austausch, sowie ein vielfältiges Bühnenprogramm, das deutlich macht, wieviel Rückhalt die Veranstaltung aus Politik und Religion erhält.
Wir danken allen Redner*innen, Musiker*innen und natürlich allen Teilnehmenden, die sich mit uns für ein friedliches Miteinander einsetzen!

Die Highlights der Redebeiträge:

  • Annette Widmann-Mauz, Staatsministerin für Integration im Bundeskanzleramt

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, erinnerte an die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz und mahnte, antisemitischen und antimuslimischen Straftaten auch heute wieder entgegenzuwirken und „entgegenzuradeln“. Denjenigen, die sich gemeinsam in dieser Sache engagierten, sicherte sie ihren „Rückenwind“ zu. Sie zeigte sich auch begeistert von den meet2respect-Schulbesuchen mit Rabbinern und Imamen, die sie als „hervorragende Initiative“ bezeichnete.

  • Klaus Lederer, Stellvertretender Regierender Bürgermeister von Berlin und Kultur- und Europasenator von Berlin

Ein „großartiges Zeichen“ fand Klaus Lederer, Stellvertretende Regierende Bürgermeister Berlins und Senator für Kultur und Europa, das gemeinsame Radeln und appellierte für noch mehr Engagement aus der Zivilgesellschaft. Denn „der Angriff, der deinem Nachbarn, deiner Nachbarin gilt, ist auch ein Angriff, der dir gilt“, so Lederer.

  • Sawsan Chebli, in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters
    Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund & Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales

Sawsan Chebli, Beauftragte des Berliner Senats für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, betonte, dass es Mut, Haltung und Vertrauen brauche, damit eine solche Veranstaltung stattfinden könne. Als Muslima mit palästinensischen Wurzeln wisse sie, dass man mutig sein müsse, um dem Druck zu widerstehen, den man in den eigenen Communities habe – sowohl unter Muslimen als auch unter Juden. Dazu sei eine klare innere Haltung notwendig und gegenseitiges Vertrauen. Mit der Tandemtour sei ein Schritt gelungen, um das Misstrauen, das in der muslimischen Community gegenüber Juden herrsche, zu überwinden und umgekehrt auch das Misstrauen in der jüdischen Community gegenüber Muslimen. Dem Projekt sicherte sie für den Einsatz gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit die Unterstützung des Senats zu.

Vertreter*innen der Religionsgemeinschaften:

  • Rabbinerin Ederberg, Gemeinderabbinerin der Synagoge Oranienburger Straße, Vice President of the European Region of the Rabbinical Assembly

Als Vertreterin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sprach Gesa Ederberg, Rabbinerin an der Synagoge Oranienburger Straße, über die Anfeindungen, die Juden und Muslimen als Minderheiten in der deutschen Gesellschaft gleichermaßen begegneten. „Ich würde manchmal gerne in Texte, die gegen das Kopftuch wettern, einfach Kippa reinschreiben und sie den Leuten wieder unter die Nase halten, damit sie merken, was sie da eigentlich sagen“, so Ederberg. Dass ihre 10-jährige Tochter sich Gedanken darüber machen müsse, ob man an ihrem Beutel erkenne, ob sie jüdisch sei, wertete die Rabbinerin als ein alarmierendes Zeichen.

  • Doron Rubin, Vorsitzender von Kahal Adass Jisroel und Rabbiner Daniel Fabian, stellvertretender Vorsitzender

Ein gewaltvoller antisemitischer Angriff fand vor Kurzem „quasi vor der Haustür“ der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel statt. Dr. Doron Rubin, Vorstandsvorsitzender der Gemeinde, zeigte sich in seiner Rede davon betroffen. Er betonte aber zugleich, dass aus dem existierenden Antisemitismus unter Muslimen kein Pauschalurteil werden dürfe, dass Menschen aufgrund ihrer Religion verurteile.

  • Aiman Mazyek, Präsident des Zentralrats der Muslime

Der Präsident des Zentralrats der Muslime, Ayman Mazyek, hob in seiner Rede hervor, dass es wichtig für Muslime sei, vor dem Hintergrund des Antisemitismus nicht zu schweigen. Und gleichzeitig dürfe, wer über Antisemitismus reden wolle, nicht schweigen über Islamfeindlichkeit. In beiden Fällen mache man sich unglaubwürdig.

  • Murat Gül, Präsident der Islamischen Förderation Berlin, die den Islamunterricht an Berliner Schulen organisiert

Applaus erhielt ein Vorschlag für zukünftiges Engagement gegen Antisemitismus von Murat Gül, dem Präsidenten der Islamischen Föderation Berlin. Als Verantwortlicher für den Islamunterricht in Berliner Grundschulen wolle er für die sechsten Klassen meet2respect-Unterrichtsbesuche von Rabbinern in den Lehrplan aufnehmen.

Mitwirkende bei den meet2respect-Unterrichtsbesuchen:

  • Elias Dray, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Amberg

„Wie können wir Antisemitismus bekämpfen, wie können wir Islamophobie bekämpfen?“ Diese Frage stellte Elias Dray, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Amberg und Mitwirkender bei den meet2respect-Unterrichtsbesuchen. „Die einzige Antwort, die wir haben, ist: Wir müssen in die Schulen gehen in Berlin, in München, Frankfurt und jede kleine Stadt. Wir müssen in die Schulen gehen und unsere Werte weitergeben“, so sein Vorschlag. An die Vertreter aus der Politik appellierte Rabbiner Dray, diesen Ansatz durch eine Förderung weiterhin zu ermöglichen.

  • Ender Cetin, islamischer Theologe und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Sehitlik Moschee

Auch Ender Cetin, islamischer Theologe und ehemaliger Vorsitzender der Sehitlik-Gemeinde in Berlin, teilte seine Erfahrungen aus den gemeinsamen Unterrichtsbesuchen in mehrheitlich muslimischen Klassen. Für viele Schüler sei es „schon mal ein Kulturschock“, wenn Rabbiner und Imam gemeinsam vor ihnen stünden. Und gerade weil viele von ihnen mit Halbwissen über den Islam kämen, müssten die Imame innerhalb der muslimischen Community Aufklärungsarbeit leisten darüber, „dass jegliche Form der Diskriminierung – sei es gegen die Frau, sei es gegen einen Homosexuellen, sei es gegen einen Andersgläubigen, einen Atheisten, eine Schande ist.“ Und bei allem internen Streit stünden die Vertreter aus verschiedenen muslimischen Organisationen zusammen gegen Antisemitismus, gegen Islamhass und gegen jede Form von Diskriminierung und Gewalt.

Vertreter der Kooperationspartner:

  • Dervis Hizarci, Vorsitzender der KIgA e.V. (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus) – stellvertretend für die Kooperationspartner des Projektes

Diesem Statement schloss sich auch Dervis Hizarci von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) an, der stellvertretend für die Kooperationspartner der Tandemtour sprach. „Ein entschiedenes „nein“ zu Antisemitismus, „nein“ zu antimuslimischem Rassismus, „nein“ zu Rassismus, aber auf jeden Fall „ja“ zu einem respektvollen Miteinander“ war seine deutliche Botschaft.